Montag, 27. September

Heute ist irgendwie die Luft raus. Genau genommen hinten rechts. Am Corsa. Zeigt die Elektronik jedenfalls im Display an. Dabei haben wir eine große Tour vor. Los geht’s den Berg rauf nach Aspiotades. Ein paar hundert Meter testen wir die Abkürzung links hoch (Richtung „Pizzeria“) zum Kloster des Allerheiligsten Theotokos. Eine mit Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. Heute nicht! Nicht mit diesem Reifen hinten rechts. Wir kehren zurück auf Asphalt.

Frühstück im „MELISITO Pastry – Bakery – Cafe“. Feine Stube, tolles Gebäck, Torten und Törtchen, bester Frappé, herrliche Aussicht. Selbst der Besuch auf der Toilette lohnt sich. Vom Feinsten!

Leider gibt es die Tanke gegenüber nicht mehr. Also zum Luftdruck messen nach Arillas (gleich neben der Corfu-Beer -Brauerei). Der Tankwart bockt unser Auto gleich hoch („Da ist ein Loch drin. Dauert nur 5 Minuten“). 15 Minuten und 5 Liter Seifenschaum, mit dem er den Reifen einseift, weiter, ist die Ursache für den Druckverlust immer noch unklar. Wir fahren mutig weiter.

In Ag Stefanos machen wir Halt bei den Brüdern mit dem Olivenholzladen. Es folgt eine Unterhaltung mit einer aufatmenden Herzlichkeit, die man nicht in Worte fassen kann! Ein Jahr Corona hat mit uns allen etwas gemacht. Der Höflichkeit halber kaufen wir sogar etwas.

Vorbei an Sidari, hinter Acharavi geht’s rechts hoch nach Loutses und schließlich nach Perithia, dem verlassenen Dorf. Tatsächlich hat es irgendwann mit dem aufkommenden Tourismus alle Bewohner*innen aus der Metropole früherer Zeiten (immerhin 8 Kirchen zeugen davon) in die Küstenregion getrieben. Aber von „verlassen“ im eigentlichen Sinn kann nicht die Rede sein. Der Parkplatz vor’m Dorf ist voll. Die Teilnehmer*innen einer Jeepsafari und einer geführten Touri-Tour bevölkern die fünf Tavernen. Trotzdem hat der Ort eine ganz eigenartige Atmosphäre. Wir machen Pause in der Taverne auf dem ehemaligen Marktplatz („Foros“), trinken frisch gepressten O-Saft und selbst gemachte Limonade und essen einen wahnsinnig leckeren Salat.

Und dann gibt’s wieder die besonderen griechischen Momente. Eine Frau vom Nachbartisch (Deutsche, natürlich) geht prompt in die falsche, benachbarte Taverne um zu bezahlen. „Unsere“ Kellnerin lacht sich darob mit uns dermaßen schlapp, dass sie sich gar nicht mehr einkriegen will. Und als ich zum WC will (auch hier lohnt sich ein Besuch, weil winzig, versteckt, mit Falttür, …), versperrt mir die Sackkarre zweier Getränkelieferanten mit etlichen Mythos-Kisten den Weg. Wirtin und Kellnerin räumen zwei Tische zur Seite, damit ich durch kann. Der Cheflieferant, älterer weißhaariger Grieche bedeutet mir, dass an jedem Tisch und vor der Toilette Zoll zu zahlen sei. Als ich darauf einsteige, sind alle sofort mit dabei. Es ist laut, es ist lustig. Als ich auf die Frage des Chefs (ohne Maske), woher ich komme, mit Mönchengladbach antworte, kommt prompt zurück: „Sehr gut! Die haben doch Dortmund 1:0 geschlagen!?“

Um wieder zur Küste zu gelangen, muss man die gleiche Straße wieder zurück fahren. Immer das Meer und das zum Greifen nahe Albanien vor Augen.

Nächstes Ziel ist die hübsche Hochzeitskirche Ypapanti in Gouvia. Die Fahrt zieht sich unendlich. Blöderweise führt uns die freundliche Dame von Google Maps erst zu einer falschen Bucht mit einer falschen Kirche. Zugegeben: von mir auch falsch eingegeben. Allerdings auch herrlich gelegen.

Ypapanti selbst ist bezaubernd. Allerdings verschlossen und als Fotomotiv wegen der Lichtverhältnisse eher in den Morgenstunden geeignet. Zu guter Letzt fahren wir noch rüber zur venezianischen Werft. Beeindruckend! Auch der Yachthafen.

Danach noch schnell nach Korfu-Stadt. Shoppen. Inzwischen ist es früher Abend.

Gleich 4 Kreuzfahrtschiffe von beeindruckender Größe liegen vor Anker. Da es für die Passagiere Abendessen gibt, ist die Altstadt herrlich leer.

Madame setzt ihrer drohenden Unterzuckerung (was ich für eine Ausrede halte) eine Komposition der süßesten Zutaten bei „Hans & Gretel“ entgegen.

Nach unserer Rückkehr lassen wir diesen herrlichen Tag -um 22 Uhr hat‘s noch 23 Grad- im „Delfini“ ausklingen.